Kolumbianisches Hochland bei Sonnenuntergang
#Reisen

Kolumbien 2026 – Kaffeeforschung und nachhaltiger Anbau

Sechs Tage, vier Stationen und jede Menge Eindrücke: Martin und Hannes waren eine Woche im Umland der Hauptstadt Bogotá unterwegs. Ihre Reise führte sie durch die Regionen Cundinamarca und Caldas, mitten hinein in die Welt des kolumbianischen Kaffees. Dabei trafen sie auf engagierte Farmer:innen, besuchten Forschungs- und Entwicklungsprojekte und erhielten spannende Einblicke in die Zukunft des Kaffeeanbaus: Die Reise war intensiv, abwechslungsreich und vor allem voller spannender Begegnungen mit unseren Partner:innen. Am Ende brachten Martin und Hannes nicht nur viele neue Eindrücke, sondern auch jede Menge Inspiration und Ideen zurück nach Berlin.

1. Stopp Zu Besuch bei der FNC und im Forschungszentrum Cenicafé

Die erste Station ihrer Reise führt Martin und Hannes zur Federación Nacional de Cafeteros de Colombia (FNC). Die FNC ist der größte Kaffeeexporteur Kolumbiens und zugleich eine zentrale Institution der kolumbianischen Kaffeewirtschaft. Seit einigen Jahren gibt es dort ein eigenes Team, das sich gezielt mit Specialty Coffee beschäftigt. Auch wir beziehen regelmäßig Kaffee von Mitglieder:innen der FNC, beispielsweise unseren beliebten Sierra Nevada.

Für Martin und Hannes ist der Besuch eine gute Gelegenheit, die Zusammenarbeit mit der FNC besser kennenzulernen und über zukünftige Möglichkeiten zu sprechen. Die FNC verfügt über ein außergewöhnlich großes Netzwerk und hat Zugang zu Kaffeeproduzent:innen in praktisch allen Regionen Kolumbiens. Dadurch kann sie bei der Suche nach unterschiedlichsten Kaffees unterstützen – von Bio-zertifizierten Kaffees bis hin zu hochwertigen Microlots.

Anschließend geht es weiter zum Forschungszentrum Cenicafé, einem der wichtigsten Zentren für Kaffeeforschung in Kolumbien. Dort bekommen die beiden einen mehr als zweistündigen Rundgang durch die Versuchsfelder.

Es gibt einiges zu entdecken: Dutzende verschiedene Varietäten, Pflanzen und beeindruckend große Kaffeebäume. Cenicafé verfügt über eine enorme Sammlung verschiedener Kaffeearten und -varietäten und arbeitet seit Jahrzehnten daran, neue und widerstandsfähigere Kaffeepflanzen zu entwickeln.

Besonders spannend ist der Einblick in die Züchtung. Erst wenige Monate zuvor hat Cenicafé die neue Varietät Castillo 2.0 vorgestellt. Sie vereint genetisches Material von rund 40 verschiedenen Varietäten, darunter auch Pflanzenmaterial aus Äthiopien. Zum Vergleich: Bei Castillo 1.0 sind es etwa 20 genetische Ausgangslinien.

Das Ziel ist eine Kombination aus Widerstandsfähigkeit, Produktivität und hoher Kaffeequalität. Bis eine solche Varietät tatsächlich auf den Farmen wächst und geerntet werden kann, vergehen allerdings viele Jahre. In unserem Artikel zur Arbeit von World Coffee Research gehen wir genauer darauf ein, wie komplex und langwierig die Entwicklung neuer Kaffeesorten ist. Die Forschungsarbeiten an Castillo 2.0 begannen bereits vor rund 20 Jahren – zu einer Zeit, als Nelly Furtado, James Blunt und Justin Timberlake die Charts dominierten und Angela Merkel gerade zum ersten Mal zur Kanzlerin gewählt wurde.

Noch können Martin und Hannes den Kaffee aus Castillo 2.0 nicht verkosten. Die Pflanzen produzieren noch nicht in ausreichendem Umfang. Die Vorfreude auf den ersten Cup ist deshalb umso größer.

Martin und Hannes auf einer Partnerfarm der FNC
Martin und Hannes sitzen auf einer Bank mit einem Mitarbeiter einer Partnerfarm von FNC in Cundinamarca

2. Stopp: La Vega Kaffee, Gastfreundschaft und ein Fußballspiel

Nach der Forschungsstation geht es für die beiden weiter zur Finca Valparaiso in La Vega. Kennst du diesen Namen noch? Anfang des Jahres haben wir einen besonders lebendigen und klaren washed Arabica dieser Farm verkauft.

Martin und Hannes dürfen zwei Tage und Nächte auf der Farm verbringen, von der dieser wunderbare Kaffee stammt und die Farmerin Marta Cecilia endlich persönlich kennenlernen.

Marta kam eher zufällig zum Kaffee. Vor rund sechs Jahren wollte sie gemeinsam mit ihrer Familie eigentlich ein kleines Hotel auf dem Land außerhalb von Bogotá aufbauen. Dabei ergab sich die Möglichkeit, eine bestehende Kaffeefarm mit einem kleinen Hotel zu übernehmen. Die Familie entschied sich dafür, das Anwesen zu übernehmen und umfassend zu renovieren.

Doch dann kam die Pandemie.

Während der Hotelbetrieb praktisch zum Erliegen kam, konzentrierte sich Marta Cecilia zunehmend auf den Kaffee. Aus dem ursprünglichen Nebenprojekt entwickelte sich eine Leidenschaft und schließlich das deutlich spannendere und größere Geschäft.

Martin und Hannes besichtigen die Farm und bekommen einen Einblick in die Verarbeitung des Kaffees. Allerdings muss der Rundgang an diesem Tag etwas schneller enden als geplant: Das WM-Fußballspiel Kolumbien gegen die Schweiz steht an. Die beiden schauen das Spiel also kurzerhand gemeinsam mit den Arbeiter:innen und Kaffeepflücker:innen in der Kantine der Farm – ein cooles Erlebnis, das den beiden definitiv in Erinnerung bleiben wird.

La Vega Farm

3. Stopp: Apuna Zu Besuch bei unseren Projektpartner:innen

Die dritte Station führt Martin und Hannes zu Apuna, der NGO des Kaffeeexporteurs Siruma. Die Stiftung arbeitet an einem Projekt, in das wir seit Beginn des Jahres 2026 investieren.

Da Martin und Hannes das Team noch nicht persönlich kennengelernt haben, stehen zunächst die Menschen hinter dem Projekt im Mittelpunkt. Sie besuchen das Büro, lernen das Team kennen und erhalten einen Einblick in die tägliche Arbeit und die verschiedenen Aktivitäten der Organisation.

Am zweiten Tag geht es dann raus aufs Land, zu den Kaffeefarmen selbst.

Apuna arbeitet eng mit Kleinproduzent:innen zusammen und setzt dabei unter anderem auf Schulungen zu Gleichstellung und nachhaltigem Kaffeeanbau. Ein wichtiger Bestandteil des aktuellen Projekts ist die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit.

Dabei spielt ein Produkt eine zentrale Rolle, das auf jeder Kaffeefarm als Abfallprodukt übrig bleibt: Kaffeefruchtfleisch. Nach der Aufbereitung der Kaffeekirschen bleibt es als organisches Material zurück und kann kompostiert werden. Dafür wird allerdings die passende Infrastruktur benötigt.

Mit Unterstützung von Apuna können nun 50 Kleinproduzent:innen eigene Kompostieranlagen auf ihren Farmen aufbauen. Aus der Kaffeepulpe entsteht so ein wertvoller Dünger, der anschließend wieder auf den Feldern eingesetzt werden kann.

Das hat gleich mehrere Vorteile. Die Farmer:innen können ihre Bodengesundheit verbessern und die Ausgaben für Betriebsmittel um rund 20 % reduzieren. Gleichzeitig soll das Projekt als Beispiel für die gesamte Gemeinschaft dienen: Wenn andere Farmer:innen sehen, dass die Methode funktioniert und tatsächlich Kosten spart, sollen sie motiviert werden, ebenfalls eigene Kompostieranlagen aufzubauen.

Martin und Hannes besuchen zwei kleine Farmen, deren Besitzer:innen Teil des Projekts sind. Die Farmen liegen weit abseits befestigter Straßen und gehören zu lokalen indigenen Gemeinschaften. Die Begegnungen waren für beide besonders prägend. Gleichzeitig machen sie deutlich, wie wichtig es ist, nachhaltige Veränderungen gemeinsam mit den Menschen vor Ort zu entwickeln, damit sie diese unabhängig langfristig weiterführen können.

Wir sind sehr gespannt darauf, wie sich das Projekt in den kommenden Monaten entwickeln wird.

Martin und Hannes beim Besuch einer Partnerfarm von Apuna, in Caldas
Martin und Hannes cuppen Kaffees bei einer Partnerfarm von Apuna
Martin und Hannes beim birdwatching auf Eduardos Farm in Caldas
Kaffeesetzlinge einer Kaffeebaumschule der Farm La Vega
Martin und Hannes besuchen eine Partnerfarm von Apuna in Caldas

4. Die letzte Station: Eduardos Farm Specialty Coffee und regenerative Landwirtschaft

Zum Abschluss ihrer Reise verbringen die beiden rund 24 Stunden auf der Farm von Eduardo, einem Bekannten und Lieferanten unseres befreundeten britischen Rösters Origin Coffee.

Eduardo ist Kaffeefarmer in dritter Generation und lebt in Caldas. Vor drei Jahren übernahm er die Farm seiner Mutter. Für ihn stand schnell fest, dass es langfristig nur einen Weg gibt, die Farm erfolgreich weiterzuführen: die konsequente Spezialisierung auf Specialty Coffee.

Seitdem hat er viel investiert und ausprobiert. Er pflanzte neue Kaffeevarietäten, verbesserte seine Anlagen und arbeitete intensiv an der Qualität seiner Kaffees.

Gleichzeitig beschäftigt sich Eduardo intensiv mit nachhaltigem Kaffeeanbau. Durch den Einsatz organischer Materialien konnte er die Kompostierung und die Bodenbedingungen auf seiner Farm deutlich verbessern.

Eduardo hat außerdem einen Biologen für die Farm engagiert und zahlreiche heimische Bäume gepflanzt. Die zusätzliche Biodiversität soll dabei helfen, die Farm widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen.

Am frühen Morgen geht es für Martin und Hannes gemeinsam mit Eduardo auf eine Farmtour – Birdwatching inklusive. Dabei zeigt sich eindrucksvoll, wie vielfältig das Ökosystem rund um die Farm ist und wie viel Eduardo schon erreicht hat.

Martin und Hannes mit Eduardo auf seiner Farm in Caldas
Background Element Mantis Opaque

Fazit Mit vielen Ideen zurück nach Berlin

Während dieser kurzen, aber ereignisreichen Reise haben Martin und Hannes Einblicke in ganz unterschiedliche Bereiche der Kaffeeproduktion in Kolumbien erhalten. Sie lernten die Arbeit einer der wichtigsten Institutionen des Landes kennen, tauchten in die Forschung und Züchtung neuer Kaffeevarietäten ein, erlebten den Alltag auf Kaffeefarmen und sahen aus nächster Nähe, wie Projekte zu zukunftsfähigem Kaffeeanbau und sozialer Nachhaltigkeit umgesetzt werden.

Vor allem aber waren es die Menschen, die diese Reise besonders gemacht haben: die Forscher:innen bei Cenicafé, Marta Cecilia und ihre Familie, die Teams von Apuna und Siruma, die Farmer:innen vor Ort und Eduardo mit seiner Vision für die Zukunft seiner Farm.

Kolumbien hat Martin und Hannes gezeigt, wie viel Potenzial in langfristigen Partnerschaften, Forschung, regenerativer Landwirtschaft und dem direkten Austausch mit Produzent:innen steckt.

Mit viel Positivität und einer großen Portion Inspiration im Gepäck landeten die beiden schließlich zurück in Berlin.

Du möchtest noch mehr über diesen Origin Trip erfahren? Auf unserem Coffee Circle Instagram Account findest du erste Eindrücke der diesjährigen Reise unter dem Highlight „COL 26”. Die nächsten Kapitel dieser Geschichte landen schon bald in deiner Tasse.

Martin und Hannes inmitten von Kaffeepflanzen in Kolumbien

Aktuelles Update zu den Nachwirkungen des Erdbebens (10.08.2026)

„Hier in Caldas beginnt die Haupternte gerade erst. Im September nimmt sie Fahrt auf, bevor Oktober und November die wichtigsten Erntemonate sind. Das Erdbeben trifft die Menschen daher zu einem besonders kritischen Zeitpunkt.

Viele der betroffenen Familien müssen nun Geld und Ersparnisse für Lebensmittel, eine Unterkunft und dringend notwendige Reparaturen aufwenden – Mittel, die eigentlich für die Vorbereitung auf die Ernte vorgesehen waren, etwa für die Bezahlung von Erntehelfer:innen, Reparaturen auf den Farmen oder die Instandhaltung von Geräten und Infrastruktur. Manche Menschen sind möglicherweise dazu gezwungen, vorübergehend umzuziehen oder zusätzliche Arbeit anzunehmen, um die Schäden finanzieren zu können. Dadurch könnte es ihnen wiederum schwerer fallen, während der Ernte auf ihren Farmen anwesend zu sein.

Gleichzeitig stehen wichtige landwirtschaftliche Arbeiten an, darunter beispielsweise die Düngung in der zweiten Jahreshälfte. Auch diese Maßnahmen könnten sich verzögern, weil sich die finanziellen Prioritäten der Familien infolge des Erdbebens verschoben haben. Das könnte nicht nur die kommende, sondern auch zukünftige Ernten beeinträchtigen.

Für Familien, deren Lebensunterhalt vom Kaffeeanbau abhängt, ist ein schneller Wiederaufbau deshalb besonders wichtig. Das Erdbeben ereignete sich genau zu dem Zeitpunkt, an dem sie Zeit und finanzielle Mittel in ihre Farmen investieren müssen, um ihre wichtigste Einkommensquelle zu sichern.“

Ximena, Apuna, Direktorin für Nachhaltigkeit

Explorer

Mit jeder Tasse Kaffee unterstützt du unsere Projekte in Äthiopien und anderen Anbauregionen. So verbessern wir gemeinsam mit dir das Leben der Kaffeefarmer:innen und ihrer Familien!

In Delecho

Entdecke unsere Kaffees aus Kolumbien

Mehr von Coffee Circle